Gedenkstätte für Opfer politischer Gewalt des 20. Jahrhunderts / Potsdam

Ehemaliges Untersuchungshaftgefängnis für Angeklagte des Volksgerichtshofes, des sowjetischen Geheimdienstes und der Staatssicherheit der DDR 1943– 1989

Geschichte des Hauses

1734 -1737 wurde das Vorderhaus als holländischer Rohziegelbau errichtet und diente als Wohnsitz für Potsdamer Stadtkommandanten. Die erste Stadtverordnetenversammlung tagte hier von 1809 -1817 und danach arbeitete das Stadtgericht in dem Gebäude. Das heute noch erhaltenen Gefängnis entstand 1907. Ab 1936 war das „Erbgesundheitsgericht“ im Vorderhaus tätig und entschied über den amtlichen Antrag zur Zwangssterilisierung. Im Gefängnis wurden ab 1943 zunehmend Angeklagte des Volksgerichtshofes eingesperrt. Im Juni 1945 zogen die Untersuchungsabteilungen des sowjetischen Militärtribunals und das Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten in das Gebäudeareal ein. Im Keller des Gefängnisses wurden Zellen eingerichtet. Viele Häftlinge wurden nach ihrer Verurteilung von hier zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion gebracht. 1952 übergab der sowjetische Geheimdienst den ganzen Komplex an die Staatssicherheit der DDR. Seitdem diente es bis Oktober1989 als Untersuchungshaftanstalt für politische Gefangene. 1995 erklärten die Potsdamer Stadtverordneten das Haus zur Gedenkstätte. Die Fördergemeinschaft „Lindenstraße 54“ engagiert sich für den Erhalt und die inhaltliche Arbeit der Bildungs- und Dokumentationsstätte. 2002 wurde in der ehemaligen Häftlingskapelle und der nahegelegenen Voltaire- Gesamtschule eine Schülerprojektwerkstatt als historisch-politische Bildungseinrichtung unter Leitung einer Gedenkstättenlehrerin eröffnet.